Freiberg (Sachsen)

 24.08.1559 / Stärke (F3) Bestätigt
" Den 14. Augusti hat sich zu Freybergk der Himmel nach Mittage umb zwey uhr mit Ungewitter plötzlich überzogen / daß es so tunckel und finster worden / als wenn es abend were / und ist erstlich ein hefftiger Sturmwind mit gewaltigen prasseln entstanden / welcher unter andern einen Mühlwagen mit vier Pferden auff dem Marckte drey mal umb ring geführet / und so grausam auff die Häuser gestürmet / als wenn alles in grund gehen wolte; Darauff geschwinde ein harter Donnerschlag nach dem andern mit steten wetterleuchten und plitzen erfolget / auch solche grosse ungehewre Schlossen und Hagelsteine gefallen / dergleichen man kaum dieser Gegend erfahren; Denn etliche sind als zimliche Boßkugeln groß / am Gewichte drey Pfund und drey Viertel schwer gewesen / andere wie Gänse und Hünereyer / grösser und kleiner / in mancherley gestalt und formen / theils rund / theils viereckigt / theils mit Zacken wie Creutze / Spangen und Rosen an Gürteln / dadurch die meisten Fenster / und viel tausend Ziegel auff den Dächern zerschlagen / die stücken davon mit grosser ungestüm von einem Hause zum andern / auch zun Fenstern hinein geworffen / viel Arbeiter im Felde verwundet / Pferde / Kühe / und sonderlich das Geflügel / zahm und wild niedergeschmissen / die Bäume verderbet / und die Gebäwde also beschädiget worden / daß man nur an Dachziegeln nicht so viel in einem gantzen Jahr brennen können / als man zu wiederbelegung der abgedeckten Häuser bedürfftig / und unter dessen Schindeln brauchen müssen. Noch ists zu Bobritz / da obengedachte Hand vorigen Tages gesehen worden / viel ärger zugangen / denn eben diese zeit der gantze Himmel allda voll Fewer gewesen / auch etliche klumpen herab gefallen / die viel Bäume und Gebüsche versenget / und grosses schrecken verursachet. Drauff ein gewaltiger Wirbelwind sich erhoben / der etliche Bawerhöfe mit Scheunen / Ställen / Backhäusern und andern Gebäwden in einem Hui mit grossen krachen in Hauffen geworffen / die Dächer stückweise über den Torantischen Wald in Lüfften weggeführet / das Holtz / Bettgewand / Leilach und Kleider in eine fast ungläubliche weite verwehet / und also gewütet / daß es nicht wol mit Worten zu schreiben / und die meisten gemeinet / der letzte Tag des HERRN were verhanden / und Himmel und Erde würde über einen hauffen gehen. In des einen Bawers Garten hat es viertzig starcke fruchtbare und tragende Obstbäume mit den Wurtzeln aus der Erden gerissen / und en einen / welcher klafftrich gewesen / über eine Scheune hinweg ins Wasser gestürtzet / auch einen grossen Wacken und Stein / der halb in der Erde an eines andern Baums Wurtzel gelegen / und sechs Ellen in umbfange gehabet / mit solcher gewalt sambt dem Baume heraus gehoben / daß der Stein neun Schritte zurücke geprellet / der Baum aber vierzehn Schritte von seiner stäte funden worden. Für einer Witwen Hause hat er einen Rüstwagen hinweg genommen / und in der Höhe über fünff und achtzig Schritte weit biß ans Wasser geführet / da er ihn wider eine alte zerstümmelte Linden geworffen / daß die Räder davon gesprungen / und die Axen zerbrochen. Im Garten neben diesem Hause hat er alle Obstbäume entzwey geschlagen / etliche wie Wieden umbgedrehet / auch den einen / der unten am Berge gestanden / hoch auff den Berg hinauff gesetzet / und sonst alles wunderlich umb und umb gekehret / und trefflichen schaden gethan. Doch hat bey so grausamen gefährlichen Wetter der gütige Gott / gleich wie in der Stadt / also auch in diesem Orte die Menschen gnädigst behütet / daß keiner umbkommen. etliche sind zwar in ihren Häusern verfallen / und hat man zu ihnen räumen müssen / haben doch am Leibe keinen schaden genommen. Peter Grimmer ein Bawersman / der nur zwey Jahr zuvor ein gantz new Hauß auffgebauet / als die ungestüme angangen / ist er mit seiner Frawen und fünff kleinen Kindern in die Stube gelauffen / und in einen Winckel gekrochen / unterdessen hat das Wetter das Dach mit dem Obertheil der Stuben hinweg gerissen / und davon geführet / auch alsbald drauff den Leym / sambt den Trämen und Balcken / die Stubenwände / Fenster / Ofen / Thür / und das gantze Hauß in hauffen gestossen / daß nichts stehen blieben / so nicht zerbrochen oder zufallen / als der kleine Winckel oder Räumlein / etwan fünff Schuch lang und breit / da die armen und betrübten Eltern mit den kindern / welche sie mit ihren Armen und Leibern bedecket / gesessen. Eine Witfraw die Martin Lehmannin / als sie ihre Kinder und Magd zum Gebete vermahnet / und auff die Knie niedergefallen / ist das Hauß und Stube über und neben ihr eingangen / nur an dem Orte / da sie mit den Kindern auff den Knien gelegen / sind die Breter der Stubendecke / durch Gottes wunderbare Schickung / an einem Balcken behangen blieben / als auch der Sturmwind einen grossen langen Sparren von des Nachbars Hause / über zwey und dreissig Schritte weit / zum Stubenfenster hinein wie ein Pfeil / gleich nach dieser Fraw und den ihrigen geschossen / hat doch Gott der HERR solches abgewendet / daß gedachter Sparren ihnen nichts geschadet / sondern nechst bey ihnen weg in Ofen hinein gefahren. Dergleichen wunders mehr ist in diesem schrecklichen ungewitter geschehen / welches theils in einer besondern relation, theils in D. Andr. Muscul. tractat von des Teufels Tyranney / Macht und Gewalt / ingleichen in speculo mundi indurati Sigismundi Svevi und andern Orten umbständiglich erzehlet wird / wie es auch M. Mich. Hempel Carminicè beschrieben / und in Druck gegeben. Dabey denn zu notiren / daß die Bäume / die in diesen ungestümen Wetter von Sturmwinde niedergeschlagen worden / und noch etwas in der Erden mit den Wurtzeln stehen blieben / und Michaelis so schön geblühet haben / daß man sich drüber verwundern müssen / weil an den andern Bäumen / die keinen schaden von Wetter genommen / solches nicht geschehen. >" (Quellen: Stefan Militzer, Klima - Umwelt - Mensch (1500-1800), 2004 sowie Andreas Moller, Theatrum Freibergense Chronicum, Beschreibung der alten löblichen BergHauptStadt Freyberg in Meissen [...], S. 271-274. - Freiberg, 1653)