Stuttgart-Mitte (Baden-Württemberg),
Esslingen am Neckar (Baden-Württemberg)

 13.08.1562 / Stärke (n. bek.) Verdacht
"Auff montag denn 3 Augustus im 1562 jar zweischen 11 und zwelff ur kam ein solchs schwartz finster wolck und grusamer wi[n]d, das es so finster scheint, [...], dergleichen wein, alle fruchten, so auff dem feld gewesen, ales zu grund geschlagenn, das laub von den stekenn, die traubenn herunder, keinen gelasenn, das holtz gantz zerhackett, kraut, darauff grose hoffung stund dem armen man, was alles, das sich das gantz volck hartt bejamertt und auch sich verderbens und sterbens gantz verwegen.
Item auch zu Stutgartten, do es ist auffgangen, dem furstenn an dem lusthus vermeinen bey tusent gulden fenster zerschlagen, auch alhie zu Eslingen manchem um 8 und 9 fl 2 fl 3 fl fenster zuschmettertt, [...]. Es schwamen das obs mit groser meng in den waserflüsen, das es die leut mit wanenn bey ettlichen zu hundertt korb voll zusamen raspetten.
Und ging das wetter mit seinem gwallt auff Weiblingen, Stetenn, Strempffelbach, zu Plochengen sich geendett, auff die Filder auff etliche seiten. Den habern hat es in boden geschlagen, das man sagt, denen, so solcher schaden was begegnett, 6 morgen haben nit mer dan ein semere oder metzen geben, das stro ist zerflogen. [...] Es vermeinten auch etlich, die solche zu Stutgarten gesechenn, im gantzen zechenden solle nit ein fuder wein werden, auch dergleichen mancher weingart um zwo mas zu lesenn wer zu gelasen. [...].
Disen vorgeschriben jamer kompt mir je lenger mer zu handen, wird bericht, doch selbs auch gesechenn, so weit es gereicht, auff die vir meil weg schaden gettan an fensterwerk auff die fünffzig tusent fl. Zu Heilbronn fast auff denn tächer alle ziegell zerschlagen und hingebracht, so man hette die gantzen ziegel zusamen gettan, wirde man nytt ein hus darmit bedekt haben. Nach wie zuvor in Stutgartter zechend nit ein fuder wein mocht gesamlet werden, das sit ein jamer. Ferner in disem wetter zu Tallen bey Heilbron gelegenn ein flekenn ist gleicher gstalt so hartt mit hagell verderbt, wein, kornn, die heiser tächer eingeschlagenn, das kein ziegel mer gantz beliben und der edelman, so iber den flekenn Tallen geherrschett, sich des jamers thet erbarmen, auch die jemerliche not, sich nemant des gnugsam ergrinden mocht, der edellman inen dem volck briter, stro kaufft, die heiser mit zu betteken, auch inen zugesagt, sie sollen gettrost sein, er welle inen tusent fl leichen, wan dieselben ein end haben, welle er noch tusent leichen, bis got in wider gebe, das was ein trost." (Quellen: Stefan Militzer, Klima - Umwelt - Mensch (1500-1800), 2004 sowie Diehl (Hg.), S. 237-239)