Freiberg (Sachsen),
Marienberg (Sachsen)

 21.12.1612 / Stärke (n. bek.) Verdacht
"Anno 1612. im December erhub sich ein unerhörter Wind im Meißnerland / deßgleichen kein Mensch gedacht hat / also daß er vor dem Jüngsten Tag einer der größten gehalten worden / der hat an Kirchen / Gebäuden / Wäldern / Gärten / an Menschen und Viehe unbeschreiblichen Schaden gethan / von Kirchen die Thürme und Spitzen mit samt den Glocken gestürtzt und abgebrochen in der Stadt Meissen / zu Langenau / Wallisdorff Cunnersdorff / zum Elterlein / zu Brix in Böhmen und an vielen andern Orten / zu Freyberg hat es die Ziegelhäuser aufgedeckt / die steinerne Giebel und Aesten herab gerissen / zu Marienberg viel neue Häuser / die kaum ein Jahr gestanden / eingeworffen und drunter 1 Mäglein erschlagen.
Zu Elterlein hats 2 Häuser gar und die Vorwercke auf und vor dem Brunels halb eingerissen und etliche 40 Fuder Heu in die Lufft geführet und als in Elterlein im Mittage eine Leiche solte zum Grabe getragen werden / nahm der Wind einen Schulknaben aus dem Hauffen in die Lufft und warff ihn über einen Holtzstoß unter die Trauer-Weiber ohne Schaden [...] wie denn der Sturm unterdeß ein Hauß auf der Kirchgassen hatte niedergerissen / und bald hernach die lange Kirchspitze von der Kirchen glatt abgebrochen und herab gestürtzet hat.
Zum Scheibenberg hats 2 Häuser abgestürtzet und 2 Scheunen am Gesparr und Balcken so ruinirt / zerzerret und mit den Schindeln / Latten und Brettern in der Lufft so wunderlich gespielet / daß die Leute es vor gar nichts guts gehalten.
Jn Annaberg ist fast kein Hauß unbeschädigt blieben und hat der Wind die Kirchen-Fenster jämmerlich zerrissen / und die Leute von der Gassen an die Häuser geschmissen. Jn Böhmen hat er viel Schäfereyen eingeworffen und die Schafe erschlagen / die Getreyd-Schöber im Felde gewaltsam zerrissen / zerstreuet und über halbe und Viertel Meilweges weit fortgeführet.
Zwischen Neudorff und Crotendorff hats einen gantzen Busch umgewehet / und bey Scheibenberg den halben Wald der Schletner an der Viehetrifft / als wenn eine Schlacht geschehen wäre unter den Bäumen.
Jm Raths-Wald der Stadt Annaberg sind über 12000 Schrägen Holtz niedergebrochen / daß sie etliche Jahr drüber aufzuhauen gehabt.
Auf den Böhmischen und Churfl. hohen Wäldern hat der Wind auf 200000 Schragen Holtz Schaden gethan und niedergerissen / die schönsten alten 3 und 4 kläffterige Bäume und Tannen sind creutzweise über einander gelegen / haben Wege und Stege verbrochen / daß man 4 Wochen lang die Landstrassen über das Gebirge räumen müssen / die Bäume haben viel Wild erschlagen und auch den Berggeschwornen von der Preßnitz.
Wofern die Leute sich nicht in auf die Waldhäuser hätten rettirirt / die aus Böhmen gereiset / wären sie von Bäumen erschlagen worden: die auch nicht anders denn mit übersteigen und durchkriechen über und durch den Wald haben kommen können.
Die wilden Thiere / Bären / Schweine / Hirschen / und andere sind zum Theil erschlagen / theils von Sturm und Geprassel der Bäume so scheu worden / daß sie auff den Blösen / also wütend hin und wieder gelauffen und vor Furcht und Angst nicht gewust / wo sie bleiben solten. Endlich haben sie sich an die Waldhäuser / die voller Leute / vor dem Toben des Windes salvirt / in die Höfe gelauffen und bey den Menschen Schutz gesucht / und weil der Wind viel Bäume an der Wurtzel loß und ledig gemacht / sind dieselben bey schlechtem Wind entweder vollend umgebrochen oder stehend verdorret." (Quellen: Stefan Militzer, Klima - Umwelt - Mensch (1500-1800), 2004 sowie Ausführliche Beschreibung des [...] Ober-Erzgebürges, V. Eint., Cap. X. - Leipzig, 1747)