Meißen (Sachsen)

 19.12.1660 / Stärke (n. bek.) Verdacht
"Anno 1660. den 2. Advent. [...] gab sich an ein unerhörter Wind als ein Vorbote desselben an / der ein gantz Dorff bey Meissen / mit Wohnungen / Ställen / Scheunen und Bäumen biß auf 3 Höfe umgewehet / den Torgauischen Wald fast gar niedergeleget / bey Dippoldiswalde eine Schäferey niedergerissen und 100 Schafe erschlagen. Am gantzen Gebirge herauf hat er gantze Riegel Holtz auf den Bergen / auf den hohen Höltzern viel 1000 Bäume / auch Häuser und Scheunen niedergeworffen / auf Annen- und Marienberg hat er etliche 100 Thl. an Ziegeln- und Kirchen-Fenstern Schaden gethan / zu nahe Rückerswalde / Cunersdorff / Bärenstein / in Krandorff / Grunstädtel / Breittenbrunn / Pöle und Rittersgrün die Häuser zerrissen / aus den Kämmen geschoben und gar eingeworffen / und viel 1000 Bäume auf ihren Höltzern umgewehet. Bey der Preßnitz auff dem Reuschberg hat der Sturm einen mit 8 Strichen beladenen Korn-Karren mit samt dem Pferd umgestossen / als die Leute in Scheibenberg aus der Kirchen gehen wollen / meynte iedermann / der Sturm würde die Kirche eindrucken und die Leute in Lüfften wegführen / welche der Wind in die Höhe hube und wider GOttes Boden warff / sie wider ihren Willen an die Mauern schmisse / risse ihnen die Hüte / Mützen / Schleier / Schauben vom Halse und führte sie weg / jagte die Leute im Sprung und lauffend auff die Thüren zu / und warff sie um auff der Strassen und auff ebenem Weg / daß theils auff allen vieren kriechen müssen. Also haben die Winde auch Anno 1667. 1669. in diesem Gebirge gestürmet." (Quellen: Stefan Militzer, Klima - Umwelt - Mensch (1500-1800), 2004 sowie Ausführliche Beschreibung des [...] Ober-Erzgebürges, V. Eint., Cap. X. - Leipzig, 1747)