Jüterbog (Brandenburg)

 27.08.1693 / Stärke (n. bek.) Bestätigt
"Den 17 Aug. Nachmittages zwischen 4 und 5 Uhren / erhub sich jähling (nachdem zuvor den gantzen Tag schön hell und klar Wetter und Sonnenschein gewesen /) ein grausam starcker Sturmwind / nebenst einem schweren Gewitter / also daß von Abend her / die schwartzen Wolcken gantz nidrig / gleichsam gewaltzet / herkahmen / gleich als ob sie auff die Erde fallen / und eine Wolckenbrust verursachen wolten / darbey der ungeheure starcke Sturmwind / den Staub und alles von der Erden empir hub / und in der Lufft forttriebe / davon es fast stockfinster wurde: (t) [=Anm.: Ibidem /Höpffner/ pag. 36 & seq. Item Leipzigsche Relation, Continuat. 14. sub mense Augusto, c. 9. Num. 5.] Wie denn solcher Sturmwind nicht nur alles Grummet auff den Wiesen / so entweder nur gehauen war / oder in Schöbern stunde / deßgleichen auch alles Getreide / so auff dem Felde abgehauen lag / als Gerste / Hafer / Wicken / Erbsen / Heidekorn und dergleichen auffhobe / und in die Lufft berstöberte / ja die Garben von den Mandeln genommen / und sehr weit im Felde / über und über gestürtzet / also daß nur die blossen Sturtzeln / ohne Frucht / daran geblieben; sondern auch die Ziegel von den Dächern auffgehoben und herunter geworffen / daß man also auff der Gassen nirgends sicher darvor gehen können; deßgleichen die Obst- und andere Bäume in den Gärten und auff den Feldern theils zerbrochen / theils mit den Wurtzeln aus der Erde gerissen / und zu Boden geschmissen, sonderlich aber viel tausend Hoff-Stangen in den Hopff-Gärten mit sampt der Frucht darnider geleget / oder doch von denen stehend-bleibenden den Hopffen abgewehet / und abgerissen / viel Wagen auff den Feldern und Wiesen umbgekehret / wie denn solcher Sturm insonderheit einen Wagen mit Gerste beladen / (so dem Gastwirth zum schwarten Adler zuständig) / nicht weit von der Baderey auff der Brücken / als der Knecht darüber fahren wollen / plötzlich umbgeschmissen / und mit sampt dem Knechte und 4 Pferden / in die Mulda oder Mühlgraben hinunter gestürtzet / da denn durch Gottes wunderbahre Schickung der Knecht und das Sattelpferd (als welches er im Wasser noch loßgeschnitten) noch errettet worden und beym Leben geblieben / die übrigen 3 Pferde aber ersoffen: Ingleichen soll dieser Sturmwind zu Jüterbock 8 oder 10 Windmühlen umbgeworffen / auch ein Stück vom Kirchthurme herabgeschmissen / und alle Krahmer-Buden auff dem Marckte / (weil gleich Jahrmarckt daselbst gewesen / umgekehret haben / wie auch sonst an andern Orten viel Häuser und Scheunen." (Quellen: Stefan Militzer, Klima - Umwelt - Mensch (1500-1800), 2004 sowie Simon, Jeremias, Eilenburgische Chronica [...], S. 822 f. - Leipzig, 1696) - Weiter: "Den andern Tag darauff / als den 17. dito [August], erhub sich nach Mittags halb fünff Uhr / ungeachtet es zuvor den gantzen Tag schön hell und klar Wetter gewesen / ein grausam starcker Sturm-Wind / nebenst einem Schweren Gewitter / also daß von Abend her die schwartzen Wolcken gantz niedrig / gleichsam gewaltzet / herkamen / gleich als ob sie auf die Erde fallen / und eine Wolckenbrust verursachen wolten / darbey der ungeheure starcke Sturm-Wind den Staub und alles von der Erde empor hub / und in der Lufft forttriebe / davon es fast stock finster wurde. In denen Gärten und Wälden hat dieser Wind viel Bäume theils zerbrochen / theils mit denen Wurtzeln aus der Erde gerissen und umgeworffen; Wer auff denen Wiesen Grummet stehen oder auff denen Feldern Hafer / Gerste /Erbsen /Wicken / Heidekorn und dergleichen liegen hatte / fand nichts darvon wieder / weil der Wind alles in die Höhe gehoben und zerstöbert hatte. Die Garben / welche in Mandeln gestanden / waren im Felde herum geworffen / über und über gestürtzet / und sahen nicht anders als ob sie abgeforschelt wären. Insonderheit hat der Wind vorm Peters-Thor ein Stück Schindel-Dach von einem Pferd-Stalle abgehoben / herunter geworffen / und einer vorbeygehenden Soldaten- (Andreä Walthers) Frau ihr auf denen Armen tragendes Kind von 19. Wochen erschlagen / dem Weibe aber war wenig Schaden geschehen. [...] Bald darauf brachten die Zeitungen / daß um gemeldete Zeit eine grosse Menge Heuschrecken aus Ungarn /Oesterreich und Böhmen ins Voigtland kommen / und bey Oelßnitz und Plauen gefallen wären / welche innerhalb wenig Stunden / das Getreide / Graß und Laub von den Bäumen abgefressen / und wo sie sich gelagert / alles verderbet hätten." (Quellen: Stefan Militzer, Klima - Umwelt - Mensch (1500-1800), 2004 sowie Johann Jacob Vogel, Leipzigisches Geschicht-Buch oder Annales. - Leipzig, 1714)