UNBEKANNT (N.BerlinK.)
[Region: Brandenburg]

 21.01.1737 / Stärke (n. bek.) Verdacht
Ein großer Wintersturm richtete verbreitet Schäden an. Einzelne größere Schäden deuten auf lokale stärkere Ereignisse hin. "[...] Winde, welche in dem Lande selbst [Mark Brandenburg] hin und wieder gewütet und schaden angerichtet.[...] zu verschiedenen zeiten, und zu 6. 7. 8 mahl das Land befallen. [...] A. 1737. hat am 20 und 21 Jan. wiederum ein fürchterlicher general Sturm die Mittel- Uker und Neumark erschrekket; in der Strausbergischen Statheide 500 nuzbare baüme, bei Marwitz, Landberg. Insp. viel 1000 der stärkesten baüme, bei Nörenberg 300 büchen und 500 Eichen, bei Bernstein 400 Eichen niedergerissen, bei Neuenwedel die Heiden um den sechsten theil vermindert, in der Boizenburgischen Heide aber an die 10000 baüme aus der Erde gerissen, und neben einander hingeworfen; zu Klempzig, Züllich Insp. den Kirchthurm von seiner stelle gerükket. Zu Seeren, Sonnenburg Insp. aber den Thurm bis auf die schwellen heruntergerissen und zerschmettert, dabei iedoch die glokke und uhr unversehrt geblieben, und zu Dechtow einen schaffstall, und darin 100 hammel erschlagen, dergleichen auch zu Torno geschehen, Prenz. Insp." [...] "A. 1737. 21 Jan. hat sich unter Donnern un Blitzen ein gewaltiger sturm in der gegend Reutwen erhoben, welcher hin und wieder auch grossen schaden gethan, sonderlich bei Sauen Beeßk. Insp. in eine Eiche geschlagen, davon die schoppe auch so gleich zu brennen angefangen. Welches zwar weil die Eiche nicht im grünen laub und vollen saft gestanden leichter sich begreifen läßt, indem das feuer weniger wiederstand gefunden: iedoch überhaupt zur sache nichts thut; weil die kraft des Blitzes vermögend ist dergleichen feuchtigkeiten zu verzehren und auf die seite zu bringen. Und finden sich auch beispiele da grüne baüme in ihrem laub angezündet worden." (Quelle: Stefan Militzer, Klima - Umwelt - Mensch (1500-1800), 2004 und Johann Christoph Dreyhaupt, Pagus Neletici et Nudzici oder Ausführliche diplomatisch-historische Beschreibung des [...] Saalkreises [...], S. 503-504 + S. 517. - Halle, 1749) - Weiterer Hinweis: "Insonderheit aber brachte dieses dem Lande den größten Schaden, da in der Nacht zwischen dem 21. und 22. Januar. ein erschrecklicher Sturm auf dem Lande, entweder die Häuser und Ställe gäntzlich, zum wenigsten die Dächer eingerissen, oder die Schoben auf den Dächern das oberste zu unterste gekehret, viele Menschen erqvetschet; Pferde, Rind-Vieh, und gantze Heerden Schaafe durch Einstürtzung der Ställe erschlagen, deßwegen hernach, Viehe und Menschen nicht trocken stehen, oder vor der Kälte sich bewahren können. Ferner sind viele Bäume in den Wäldern umgeleget, oder zerbrochen, in Gärten die Obst-Bäume zerrissen, und der unverwündlichste Schaden geschehen. Auf unsern Stadt-Gütern war der Schaden noch erträglich, da es nur im Ranserischen Wald über 600. Thal. Windbrüche gemachet, und im Riembergischen Walde gegen 2000. Bäume darnieder gelegt. Viel ärger aber hat der Sturm in anderen Orten Schlesiens gehauset. In keinem Orte aber hatten die verarmten Unterthaner mehr Erholung, als auf dem Kayserl. Cammer-Gütern, auf welchen, da unsägliches Holtz umgeworffen worden, damit es nicht verspohrete oder verfaulete, so wurde von EinemHoch-Löbl. Königl. Cammer-Collegio beschlossen und erlaubet, den Unerthanen, so nichts mehr zu leben hätten, dieses Holtz zu schlagen und zu verkauffen; bey guten Zeiten aber, oder wenn sie sich in etwas erholet, nach wenigem Anschlage von diesem Holtze die Bezahlung nach und nach zu leisten. Es hatte aber dieser hefftige Sturm in dem Hertzogthum Schlesien nicht allein seine ausserordentliche Gewalt gewiesen, sondern aus Engelland, Franckreich, Holland, Niederland, Dännemarck, Schweden, gantz Teutschland ja durch gantz Europam, hörte man in den öffentlichen Post-Zeitungen dergleichen noch mehr höchst betrübliche Nachrichten, insonderheit sehr häuffige Schiffbrüche. Der König von Groß-Britannien, welcher den 18. Decembr. An. 1736. seine Rückreise von Hannover nach Engelland antrat, mußte sich zu Helvoet-Sluis lange Zeit aufhalten, biß er zur See gehen können, wurde aber dennoch genöthiget, wegen hefftigen Sturmes wieder zurück zukehren, und über 6. Wochen allda liegen zu bleiben: so daß die Wiedersinnigen in Engelland vorgegeben, der König würde gar nicht wieder ins Reich kommen: Oder andere sagten: dieses sey eine Würckung von der Allerhöchsten Macht, wodurch der König zur Erkäntniß solle gebracht werden, dero Königreich so offt nicht zu verlassen. Ja in Stettin wolte man gar ein Erdbeben gemerckt; in Italien aber dieses hefftig empfunden haben, mit dem Beybericht, daß der Vesuvius bey Neapolis und der Ætna in Sicilien bey Menschen Gedencken nicht so häuffige Flammen, als zu dieser Zeit, oder kurtz vorhero ausgeworffen." (Quelle: Stefan Militzer, Klima - Umwelt - Mensch (1500-1800), 2004 und Johann Christian Kundmann, Die Heimsuchungen Gottes in Zorn und Gnade über das Herzogthum Schlesien in Müntzen. - Leipzig, 1742, S. 85-87. - Halle, 1749)