Nieder-Ohmen (Hessen)

 30.07.1824 / Stärke (n. bek.) Bestätigt
"Ueber Niederohmen, einem 2 Stunden von Grünberg gelegenen Dorfe, zogen am 30 Juli 1824 zwei Gewitter auf, und, nachdem Donner und Regen aufhörte, zogen zwei kleine Wolken im beständigen Umdrehen in entgegengesetzter Richtung auf einander los, und, nach ihrer Vereinigung, nach Osten weiter. Von diesem Augenblick an entstand in der Luft ein Getöse, das so stark war, daß viele Einwohner sich voll Angst eilig flüchteten. Zugleich bildete sich eine Rauchsäule in Form eines Trichters, der oben etwa 60 Fuß, und unten, wo er die Erde berührte, und wo seine Wirkung am heftigsten war, etwa 2 Fuß im Durchmesser hatte. Diese Windhose, in beständiger kreiselnder Bewegung, riß Kraut und andere Pflanzen aus, oder brach ihre Blätter ab, die sie in die Höhe zog, und jenseits des Dorfes wieder fallen ließ. Sie setzte über die Ohm, verursachte zuerst einen Strudel im Wasser, und hob es dann in starker Masse aus dem Bette. Der größte Theil des Wassers fiel aufs Ufer zurück, und das übrige stieg in schraubenförmiger Bewegung in die Höhe. An zwei Gebäuden von etwa 50 Schritte Entfernung, zwischen welchen die Windhose durchzog, wurden die Dächer beschädigt, ein starker Baum wurde etwas gedreht, und bekam drei Sprünge. In ihrer Bewegung wurde diese Windhose 1/4 Stunde weit gesehen, und wurde dann hinter dem Dorfe, durch eine Anhöhe, den Augen der Beobachter entzogen." (Quelle: Georg Wilhelm Justin Wagner: Hessisches Volksbuch oder Merkwürdigkeiten aus
dem Vaterlande. Darmstadt 1834, S. 110f., recherchiert von Johannes Hofmeister)

Tornado in Niederohmen 1824