Neubrandenburg (Mecklenburg-Vorpommern)
[Region: Tollensesee]

 Jahr 1828 / Stärke (W) Bestätigt
Datum nicht bekannt, Jahr 1828 - Wasserhose auf dem Tollensesee, südwestlich von Neubrandenburg. Vor einem aufziehenden Gewitter hielt sich der Wirbel nach Augenzeugenberichten etwa eine halbe Stunde lang. "Wasserhose auf der Tolense im Jahre 1828. - Ueber dies in Mecklenburg sehr seltene Naturereigniß berichtet G. Christlieb, Prediger in A, Rhese (am südwestlichen Tolenseufer gelegen), im Freimüthigen Abendblatte No. 492 unter dem 29. Mai Folgendes: "Gestern Mittags um 1 Uhr zog eine starke Gewitterwolke von Strelitz heran. Anstatt daß andere dergleichen Wolken vom Wasser abgestoßen werden, und ihren Zug entweder diesseits oder jenseits um den See herum nehmen, schien diese angezogen zu werden. Sie stand gegen 2 Uhr über der Tolense, etwas mehr nach dieser Seite her, eine zeitlang unbeweglich fest. Mittlerweile entstand außer dem Getöse von der Wolke her auch ein großes Geräusch auf dem Wasser, wie ein dumpfes Sausen und Brausen. Das Wasser setzte sich an einer der Alten-Rheser Feldmark gegenüber liegenden Stelle in eine kreisförmige Bewegung, und drehte sich strudelartig, wie vom Wirbelwinde getrieben, immer schneller herum, die Wellen stürzten rings umher gewaltsam zusammen, so daß das Wasser schäumend, sprützend, sich aufthürmend, erst in Gestalt einer Schneckenlinie weit kreisend, dann immer enger zu einer Säule sich zusammenziehend, immer höher und höher emporging, bis es endlich an einer sich herabsenkenden Wolkenspitze, die in gleicher Are dem aufsteigenden Wasserkegel etwas entgegenkam, mit der Wolke in unmittelbare Verbindung trat. So aufrecht stehend, sich aufwärts schlängelnd, jedoch von Zeit zu Zeit sich etwas nach Neubrandenburg hin bewegend, und wie ein gewaltiges Saugrohr Wasser in die Höhe ziehend, nach dem Augenmaaß ohngefähr sechs Fuß im Durchmesser, stellte sich dieses merkwürdige Schauspiel unsern staunenden Blicken wohl fast eine halbe Stunde dar. Indeß hierauf ein Windstoß die Säule aus ihrer senkrechten Stellung brachte, sie immer mehr verdünnend in einen weiten Bogen auseinander zog, am Ende von der Wolke trennte und auf der Tolense die nämlichen Erscheinungen in umgekehrter Folge wie beim Anfange, zurückließ, - trat die Wolke seitwärts zurück gegen Penzlin hin, und entlud sich ihrer ungeheuer angehäuften Wassermasse und ihres Hagels meistens zwischen der gedachten Stadt und der Tolense, wodurch in den Gütern der hiesigen Herrschaft schreckliche Zerstörungen angerichtet sind."" (Quelle: Archiv des Vereins der Freunde der Naturgeschichte in Mecklenburg, Band 10, Seite 88. 1856).