Berlin (Berlin)

 18.07.1841 / Stärke (n. bek.) Verdacht
"Preußen. Berliner Blätter melden aus Berlin vom 19. Juli: "Gestern Nachmittags nach einer drückenden Schwüle von + 26° im Schatten und + 36° in der Sonne, unmittelbar nach dem Ende einer partiellen Sonnenfinsterniß (3 Uhr 59 Min.) zogen sich gegen Westen und Südwesten drohende Gewitterwolken zusammen. Bald rückten die Wolken in schnellem Fluge auf unsere Hauptstadt vor, wobei sich eine Menge Electricität durch einige 20 senkrechte Blitzschläge, aber noch so fern entlud, daß man nur bei 2 oder 3 Blitzen Donner vernahm. Auf einmal brach ein, die Gewitterwolken, welche in zwei Abtheilungen hintereinander hertrieben, begleitender Orkan (eine Windhose) los, welcher zunächst, auf eine merkwürdige Weise den Straßenstaub aufwirbelte und über die Stadt hinausjagte. Die Richtung des Windes ging von Süd nach Nord, und auf der Nordseite der Stadt war denn auch diese Staubwolke der Art, daß man von dem Fenster aus auch die nächsten Gegenstände nicht zu erkennen vermochte. Alles war eine röthliche, braundunkle Masse, die ein beängstigendes Licht verbreitete und selbst noch in den höchsten Stockwerken und durch die Bodenlücken den Sand hineintrieb. Der sausende Orkan war dabei so heftig, daß er Menschen umwarf und die stärksten Bäume zerbrach. Dieses Unwetter hielt eine geraume Zeit an, und der starke Wind wohl eine Stunde, wobei viel Schaden angerichtet worden ist. Da es gerade Sonntag war, so waren sehr viele Einwohner vor die Thore gegangen und hatten die Fenster ihrer Wohnungen offen gelassen, und bei der Heimkehr luftige Zimmer zu finden. Die meisten fanden sie nur zu luftig wieder, den der Sturm zerschmetterte in einem Augenblicke eine Masse Fensterscheiben, so wie er bei einigen Gebäuden die ganzen Fenster eindrückte. In den Gärten wurde das Obst abgeweht, Aeste und Zweige abgerissen, Bäume umgebrochen, die Blumen, besonders Georginen abgeknickt, und auf dem Felde das gemähte Korn, mit Heu und Spreu vermischt, in gewaltigen Ballen über die Aecker hinweggetrieben und auseinander gestreut. Mehrere Mühlen erlitten bedeutende Beschädigungen. Von einem Gebäude des Bahnhofes der Anhaltschen Eisenbahn wurde die ganze Zinkbedachung abgerissen und über die Stadtmauer hinweg in die Communication geschleudert. Ein Wachtposten wurde von dem umstürzenden Schilderhaus stark beschädigt. Auf dem Wasser geriethen viele Menschen in Lebensgefahr, namentlich bei Stralau, wo mehrere Kähne mit Lustfahrenden umschlugen und auch zwei Menschen ertranken. Bei Glienicke wurde auf dieselbe Weise ein Kahn mit zwei Militärpersonen umgestürzt, indeß waren diese Letztern rüstige Schwimmer, welche sich über Wasser zu halten vermochten, bis sie durch die Dienerschaft des Prinzen Carl von dessen Schlosse aus in ein Fahrzeug aufgenommen werden konnten. Im Ganzen ist der Schaden, welchen dieses Wetter angerichtet hat, ziemlich bedeutend. Bemerkenswerth ist übrigens, daß die vorerwähnte Staubwolke wahrscheinlich eine vollständige Leitung für die Electricität aus den Wolken nach der Erde bildete. Denn sobald sich diese erhob, hörten Blitze und Donner auf. Merkwürdig ist es, daß während der Wind sich erhob, er plötzlich von Osten nach Westen umsprang. Auch zogen die Wolken ohne Regen vorüber. Das Thermometer sank auf + 19° und später noch mehr, doch war der Abend überaus schön, so daß z. B. ein, bei Sonnenuntergang von dem Wollankschen Weinberg aufsteigender Ballon in ruhigster Haltung langsam die Luft durchsegelte und in der abendlichen Beleuchtung einen sehr anmuthigen Anblick gewährte. In der Nacht erhob sich der Sturm aufs Neue, aber auch ohne Regen."" (Quelle: Oesterreichischer Beobachter, 25.07.1841)

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