Kreuzberg (Berlin)

 23.05.1879 / Stärke (F0) Bestätigt
Aus einer Meldung des Cuxhavener Tageblattes vom 23.05.1879: "Eine Windhose. Aus Berlin berichtet man: Eine höchst seltene Naturerscheinung, welche auf den Zuschauern einen schauerlich romantischen Eindruck ausübte, spielte sich am Freitag Mittag 12 Uhr 5 Min. am Plan-Ufer des Halleschen Thores bei vollständiger Windstille ab. Um genannte zeit erhob sich plötzlich in der englischen Gasanstalt daselbst eine Windhose, die mit tosender Gewalt mächtige Sandsäulen in die Höhe schleuderte, welche bei weitem die dort befindlichen mehr als 60 Fuß hohen Gasometer überragten, so daß es aus der Entfernung gesehen, den Anschein hatte, als seien die dortigen Kohlenplätze in Brand gerathen. Als wären sie Strohhalme wurden große Steinkohlestücke in die Luft geschleudert, so dass die dort befindlichen Arbeiter sich nur durch schleunige Flucht vor einem Unglücksfalle bewahren konnten. Immer mächtiger tobte die, sich mit immenser Geschwindigkeit drehende Sandsäule, ergriff dann 24 Fuß lange Bretter, welche die Verbindung zwischen Kohlenkähnen und dem Ufer herstellten, schleuderte diese in kreisender Bewegung haushoch in die Höhe, zog dann langsam über den Canal, dessen Wasser im spiegelhellen Glanze ohne jeden Wellenschlag dalag. Von da aus nahm sie ihren Weg durch die Börwaldstraße, wo dieselbe ein ungefähr zehn Jahre altes Kind des Bildhauers Otto, das mit seinem Vater dort ging, ergriff und etwa 10 Fuß hoch in die Höhe hob, ohne dass es dem bestürzten Vater gelang, das Unglück von seinem Liebling abzuwenden. Mit wuchtigem Falle kam das liebliche Mädchen zu Boden, zerschlug sich dabei tüchtig die Ellbogen, ohne jedoch weiteren Schaden genommen zu haben. Wohl volle drei Minuten hatte dieses seltsame Naturereignis angehalten, dann löste sich die Windhose auf." (Quelle: Stadtarchiv Cuxhaven)