Kaltensundheim (Thüringen)

 06.08.2013 / Stärke (n. bek.) Verdacht
Zeitpunkt: gegen 18 Uhr MESZ. Schäden durch einen möglichen Tornado. Aus einer Meldung von inSüdthueringen.de vom 08.08.2013: "Tornado hinterlässt Trümmerfeld in Kaltensundheim - Kaltensundheim - "Wir standen am Fenster, es wurde stockdunkel - und dann ein Geräusch, das vergess' ich so schnell nicht wieder", sagt Irene Leubecher. Kurz nach dem pfeifenden Rauschen flog das Dach ihrer Scheune, sich drehend, in Richtung Schulsporthalle. Die Splitter der Asbestplatten stecken noch wie Geschosse in deren Wänden. "Nur gut, dass niemand in diesem Schussfeld war", sagt die junge Frau. Ihr Sohn Jan-Philipp, Mitglied bei der Feuerwehr, eilte kurz nach dem Crash anderen zur Hilfe, denn im Dorf hatte es Dutzende Familien getroffen. Die Familien Uwe und Karl-Heinz Möllerhenn in den Petersgärten zum Beispiel. Ein metallgedecktes Teil ihres Hausdaches flog davon, die Unterbahnen ebenfalls - der Starkregen ergoss sich bis in die Wohnstube. "Die Feuerwehr, Freunde und Familie haben uns zur Seite gestanden, wenigstens notdürftig wieder alles dicht zu machen", sagt Uwe Möllerhenn gestern. Sein Telefon ist außer Funktion, es liegen noch Bäume auf der Leitung. Im Nachbarhaus bei Kurt und Helga Witzel und am Schuppen ist ebenfalls vieles kaputt. Die 75-Jährigen sind froh über die Hilfe, die sie bekamen, auch von Enkel Ronny und Freundin sowie deren Familie. Dachdecker sind nun im Dorf gefragte Leute - noch am Dienstagabend rückten die ersten Firmen an, wie Roland Stepper berichtet. Er findet solche Hilfe lobenswert und hebt auch die Feuerwehr hervor. Ihn selbst hat es mit der Gaube des Hauses und etlichen Bäumen getroffen. Unweit davon, im Zehn-WE-Block in der Friedensstraße, ist der First abgerissen, Ziegel fehlen. Bewohner Andreas Melzow hat beim Nachhausekommen im Rückspiegel seines Autos den großen Luftwirbel gesehen, der dies alles verursachte. Wenig später splitterten die Scheiben von vier abgestellten Autos. Schwer traf der Sturm auch Manfred Salzmanns Unterstellhalle sowie weitere Gebäude in der Sturm-Schneise. Die Schneise der Verwüstung untersuchte noch in der Nacht Björn Stumpf aus Fulda, ein Tornadoforscher, sachkundig. Der Tornado hat sich am Wasserbassin entwickelt, sagt er, er verstärkte sich beim Weg zu Tale, zog übers Gymnasium bis zur Kirche, drehte ab Richtung Erbsmühle und endete abgeschwächt bei Kaltenlengsfeld. Dass es ein Tornado war, steht für ihn außer Frage. Mehr als 150 Stundenkilometer muss dieser draufgehabt haben. So schnell wie der Wirbelsturm kam, so schnell war er verschwunden. Aufräumen, Reparieren, Schäden regulieren werden nun noch eine Weile in Anspruch nehmen. Helfer aus Oberweid, Kaltenwestheim und vom Biosphärenreservat Rhön sind dabei in den nächsten Tagen behilflich." - Nach den bisherigen Untersuchungen ist ein Tornado nicht nachgewiesen. Ein Beobachter beschrieb den Durchzug einer Böenfront in Fulda: "Ich habe die Front / Wolke vorher in 36041 Fulda beobachtet, sie kam schnell aus W/SW mit großer Rotation und Verwirbelungen in der Mitte und ich habe so etwas geahnt und dann kurz gefilmt, bei uns ist nicht viel passiert, aber 35km weiter östlich in der Rhön dann doch. Es war eine Front: Durchzug in 20 min, oben geschlossene Decke, darunter weiße Quellwolken, rotierend, von Süd bis W, Richtung Süden tiefer gehend (scheinbar zum Boden), starke Winde kreisend / aufwärts." - Bei einer Nachbesprechung der Tornado-Arbeitsgruppe im November 2013 wurde beschlossen, den Fall weiterhin als Tornadoverdachtsfall zu führen.

Verdachtsfall Kaltensundheim (Skywarn)
Windhose verwüstet Ortschaft (n-tv, 07.08.13)
Nächtliches Unwetter zieht über Deutschland (n-tv, 07.08.13)
Tornado hinterlässt Trümmerfeld in Kaltensundheim (inSüdthueringen.de, 08.08.13)
Fotos: Tornado hinterlässt Trümmerfeld in Kaltensundheim (inSüdthueringen.de, 08.08.13)
Alle Feuerwehren in der Spur und Tornado in der Rhön (inSüdthueringen.de, 08.08.13)
Fotos: Der gefährliche Tornado von Kaltensundheim (Focus, 08.08.13)
Mehr als nur eine "Windhose" über Kaltensundheim (inSüdthueringen.de, 09.08.13)