Schönefeld bei Berlin (Brandenburg)

 19.07.1895 / Stärke (n. bek.) Verdacht
Aus einer Meldung des Teltower Kreisblattes vom 28. Juli 1895: "Zu dem Einsturz des Thurmhelms der St. Matthias-Kirche ging der "Baugewerks-Ztg." folgende Mittheilung zu: Der durch den Sturm vom 19. d. M. umgestürzte Helmbau hatte eine Höhe von etwa 37 Meter, das massive Mauerwerk darunter eine solche von 57 Meter. Zur Fertigstellung der obersten Thurmspitze und Aufbringung der Bekrönungszeichen war ein Gerüst um den Helm konstruiert, das seinen Halt nur in diesem fand. Das Gerüst bot dem Sturme nicht genügend Widerstand, kippte um und riß den Thurmhelm selbst mit in die Tiefe, weil das Holzwerk mit dem darunter befindlichen Thurmmauerwerk nicht verankert war. Nach Ansicht des Berichterstatters hätte der aufgesetzte Helmbau mindestens in jeder Ecke mit dem quadratischen massiven Unterbau durch starke tief nach unten greifende eiserne Anker verbunden sein müssen. Im übrigen macht das Mauerwerk bezüglich seiner Ausführung einen durchaus soliden Eindruck, so daß die Annahme, der Unfall finde nur in den elementaren Einwirkungen seine Ursache, ihre Begründung hat. - Demselben Blatt schreibt ein im Kirchenbau erfahrener Meister: "Die Konstruktion des Helmes war gut. Der Umsturz ist lediglich dem Umstande zuzuschreiben, daß das für Befestigung des Thurmkreuzes an die obere Spitze des Helmes angebrachte Gerüst den eigenartig mächtig, stoßweise aufgetretenen Sturm (Einige behaupten, es sei ein Wirbelsturm gewesen) zu viel Angriffsgelegenheit geboten hat. Höhere Gewalt hat gewaltet! Das ist alles, was man zu dem Fall sagen kann. Die Aeußerungen, "der Helm sei mit dem Mauerwerk nicht durch Anker verbunden gewesen," beruhen auf Unkenntnis derartiger Konstruktionen. Thurmhelme sollen nie in dem Mauerwerk der Thürme verankert werden. Das ist eine Grundregel für den Thurmhelmbau." (Quelle: Staatsbibliothek zu Berlin)