Charlottenburg (Berlin)

 02.07.1908 / Stärke (n. bek.) Bestätigt
Aus einer Meldung des Intelligenzblattes für die Stadt Bern vom 11.07.1908: "Das neue lenkbare Militärluftschiff des Berliner Luftschiffbataillons ist an demselben Mittwoch, da Zeppelin mit seinem starren System Lorbeeren davontrug, wie unsere Leser aus früheren Mitteilungen wissen, von einem schweren Unfall betroffen worden, bei dem glücklicherweise Menschen nicht verletzt worden sind, der aber zweifellos die Uebungen auf längere Zeit unmöglich machen dürfte. Das Luftschiff war auf einer Fahrt nach dem Grunewald begriffen und wurde von einem plötzlichen Wirbelwind erfaß, der das Fahrzeug 1500 Meter hoch in die Luft riß und manövrierunfähig machte. Gleich darauf preßte der Sturm das Schiff wieder zur Erde nieder, und es ist ein Beweis für die Güte der Konstruktion, wenn trotzdem die Insassen, zu denen in erster Linie der Erbauer, Ingenieur Basenbach, gehörte, die Herrschaft über das Luftschiff nicht verloren, sondern so landeten, daß sogar die glückliche Bergung des so empfindlichen Apparates ermöglicht wurde. Das Gerüst des Luftschiffes, das ganz mit Ballonstoff überzogen war, maß 66 Meter in der Länge. Die Gondel diente gleichzeitig zwei Motoren von je 75 Pferdestärken. Die Seitensteuer ähnelten dem Schiffruder, die Höhensteuerung Zellendrachen." (Quelle: Universitätsbibliothek Bern) - ebenso aus einer Meldung der Coburger Zeitung vom 03.07.1908: "Berlin, 2. Juli. Das Militärluftschiff ist heute nachmittag in einer Höhe von 400 Metern auf Charlottenburg zugefahren. Dabei geriet es bei Gewitterbildung in einen aufsteigenden Luftstrom. Es wurde von einem Wirbel erfaßt und etwa 1600 Meter hochgerissen. Der Lufttrieb war so stark, daß sich das Luftschiff permanent im Kreise drehte. Nachdem es dann durch diese Wirbel erheblich aus seiner Gleichgewichtslage herausgehoben war, ist es stark gefallen und hat dabeis eine Form verloren, so daß es dem Steuer nicht mehr gehorchte. Beim Herablassen geriet es zum Teil zwischen die Bäume der Försterei Eichenkamp. Irgendwelche maschinellen Teile sind nicht beschädigt. Menschen sind nicht verletzt worden. Das Luftschiff wurde auseinandergenommen und nach dem Uebungsplatze Reinickendorf transportiert. Es wird binnen kurzem wieder fahrfähig sein.