Eiche bei Bernau bei Berlin (Brandenburg),
Blumberg (Brandenburg),
Seefeld bei Werneuchen (Brandenburg)

 12.07.1959 / Stärke (F2) Bestätigt
Tornado mit erheblichen Schäden im ehemaligen Dorf Marzahn (Heute Berlin-Alt-Marzahn) und von dort aus weiter über Eiche, Blumberg und Löhme bis nach Weesow. Die Zugbahnlänge beträgt mindestens 16 Kilometer. Aus einer Meldung der Zeitung Neue Zeit vom 22. Juli 1959: "Schwerer Sturmschaden auf der LPG "Neue Ordnung" ? Berliner helfen beim Aufbau. -- Es war am Sonntag, dem 12. Juli. Am Morgen stöhnten die Berliner noch über die unsagbare Hitze, die seit Tagen über der Stadt brütete. Auch auf der LPG "Neue Ordnung" in Marzahn wird sehnlichst auf Regen und Abkühlung gewartet. Als sich der Himmel endlich gegen 11 Uhr bewölkt, hofft man, doch stattdessen ... Aus Südwest kommend jagt eine Böe heran. Sie führt Unmengen an Sand und Staub mit. Der Tag wird zur Nacht. Man kann die Hand vor Augen nicht mehr sehen. Blitze zucken, der Donner grollt. In den Rinderoffenställen brüllt verängstigt das Vieh; die Hühner suchen vergeblich Schutz. Plötzlich läßt der Wind nach. Drohende Gewitterwolken werden am Himmel sichtbar. Für wenige Minuten herrscht völlige Stille. Aber schon naht das Inferno. Eine Windhose rast über das Land, alles mit sich reißend. Auf dem Feld wird ein Arbeiter von ihr erfaßt und durch die Luft geschleudert. Er landet auf dem Acker, fügt sich zum Glück keinen Schaden zu. Der Wirbelsturm erreicht die LPG. Wie Kartenhäuser fallen die Hühnerställe in sich zusammen. Von den Rinderoffenställen werden die Dächer abgehoben und segeln ? wie von unsichtbarer Hand gehalten ? durch die Luft. Sogar Steinmauern brechen zusammen. Und dann ist plötzlich alles vorüber. Zurück bleibt ein Chaos. Zehn Hühnerbaracken, zwei Rinderoffenställe, Gemüse im Werte von etwa 80 000 Mark und 75 Prozent der Haferernte sind zerstört. Das sind nur einige Angaben aus der Zusammenfassung der Sturmschäden. Ein derartiges Unwetter hatte Berlin noch nicht erlebt. So ist es den LPG-Mitgliedern auch unmöglich, die Verwüstungen allein in kurzer Zeit zu beheben. Aber ihr Hilferuf fand bei den Berlinern auch sofort offene Ohren. Aus den verschiedensten Betrieben kamen Arbeiter und Angestellte, um der LPG zu helfen. Am vergangenen Wochenende waren es etwa 350 Helfer. Erst am Sonnabend konnte mit dem Aufbau des ersten Hühnerstalles begonnen werden. Bis dahin waren Aufräumungsarbeiten zu leisten. Berge zerborstener Latten und zerknickter Bretter zeugen noch heute von der Katastrophe, und es wird auch noch einige Wochen dauern, bis alle Schäden beseitigt sind. Einen halben Kilometer von der LPG "Neue Ordnung" entfernt, liegt das VE-Gut Hellersdorf. Auch hier deckte der Wirbelsturm Dächer ab, verwüstete Gemüse und Getreide, aber die Schäden sind längst nicht so erheblich. Sie konnten zum größten Teil von den Arbeitern selbst wieder behoben werden. Während die LPG "Neue Ordnung" noch immer ein Bild der Verwüstung zeigt, stecken in Hellersdorf die Arbeiter mitten in der Ernte Der Feldbaubrigadier, Unionsfreund Otto Henschke, hat kaum zu einer Unterhaltung Zeit. Ständig überwacht er die Arbeit an der Dreschmaschine. "Solange ich zurückdenken kann, ein solches Unwetter habe ich noch nicht erlebt", sagt er. "Zum Glück war es bei uns nicht so schlimm wie auf der LPG. Trotzdem haben wir erhebliche Verluste an Getreide und Gemüse." Die Sachschäden sind fast alle wieder ausgebessert. Otto Henschke muß schon wieder weg. Eine neue Fuhre mit Gerste ist angekommen. Auf dem Rückweg zur Bus-Haltestelle in Marzahn komme ich noch einmal an der LPG "Neue Ordnung" vorbei. Gerade sind wieder neue Lastkraftwagen mit freiwilligen Helfern angekommen. Augenblicklich werden vor allem Maurer dringend benötigt, denn noch in dieser Woche soll die Hühnerfarm wieder aufgebaut werden." (Quelle: Staatsbibliothek zu Berlin) - Am 29. Juli 1959 folgt in der Berliner Zeitung ein weiterer Bericht zu den Aufräumungsarbeiten.

Tornado in Marzahn (Skywarn)