Schessinghausen (Niedersachsen)

 16.09.1964 / Stärke (F3) Bestätigt
Am 16. September wurde Schessinghausen, südlich von Nienburg, durch eine starke Windhose schwer geschädigt. Es sei das "schlimmste Unwetter seit Menschengedenken im Kreis Nienburg" gewesen: "Ein Augenzeuge berichtete: "Ich sah, wie sich das Unwetter unmittelbar neben einer großen Gewitterwolke zusammenballte. Alles vernichtend raste der schwarze Wirbel mit einem dumpfen Heulen auf das Dorf zu. Es war schrecklich. So etwas habe ich noch nie gesehen." Innerhalb von zwei Minuten war alles vorbei. Was übrig blieb, war ein großes Trümmerfeld. Am schlimmsten wurden die Gehöfte im Südwest-Teil des Dorfen betroffen. Hier brachen drei massive Stall- und Scheunengebäude in sich zusammen und begruben Trecker, andere landwirtschaftliche Maschinen und sämtliches Inventar unter sich. In den Wohnhäusern barsten die Fensterscheiben, umherfliegende Dachziegel und Gesteinsbrocken richteten in den Wohnräumen erhebliche Schäden an. Die glatte Asphaltdecke auf einer Gemeindestraße wurde vom Sturm aufgerissen. Auf dem Friedhof stürzten die Grabsteine um. Das steinerne Kriegerdenkmal wurde durch die Gewalt des Wirbelsturms glatt abgebrochen. Türen und Scheunentore wurden aus den Angeln gerissen. Einige fand man mehrere hundert Meter weiter auf den Feldern wieder. Überall versperrten umgestürzte Bäume, abgerissene Baumkronen die Straßen und Wege. Auf seinem zerstörenden Weg riß der Sturm mit stählernem Finger große Löcher in die Dächer der Gebäude. Die Telefonverbindungen wurden unterbrochen, bei einem Drittel der Häuser in Schessinghausen fiel der Strom aus." (Quelle: "Die Harke" am 17.09.1964; weitere Quelle: D. Fuchs, Gefährdung des Tiefsflugs durch Tornados, 1981) - Aus einer Meldung der Zeitung Die Harke vom 20.09.2014: "Als ein Tornado in Schessinghausen tobte - Willi Blocks Vater hatte das Unheil kommen sehen. ?Als er aus dem Fenster sah, kam ein langer Rüssel auf sein Haus zu ? die Windhose?, erinnert sich der 84-Jährige. ?Schnell in den Keller?, habe sein Vater seiner Frau gerufen. Sekunden später war die alte Zimmerei der Familie Block gegenüber dem Friedhof nur noch ein Haufen Schutt. In den Nachmittagsstunden des 16. September 1964, einem Mittwoch, wurde Schessinghausen von einem Wirbelsturm heimgesucht, wie es bis dahin in der Region noch niemand erlebt hatte. Abgedeckte Dächer, entwurzelte Baumriesen, abgeknickte Telegrafenmasten, Schutt und Trümmer ? es sah aus wie nach einem Bombenangriff. Der Schessinghäuser Eckhard Schulz war erst sechs Jahre alt, als der Tornado mit ungeheurer Wucht eine Schneise der Verwüstung hinterließ. ?Der Asphalt auf der Ortsdurchfahrt ? die heutige Kreisstraße ? wurde vom Sog hochgerissen. Ich sah die Steinschicht darunter?, erinnert er sich. 17 Häuser wurden beschädigt ? wie ein Wunder wurde kein Mensch..."

Als ein Tornado in Schessinghausen tobte (Die Harke, 20.09.14)
Dorf bei Nienburg schwer verwüstet (Hamburger Abendblatt, 17.09.1964)