Nordhausen (Thüringen)

 15.06.1980 / Stärke (F2) Bestätigt
Zwei Menschen starben im "Gehege", das ist der Name eines kleinen Waldstücks mitten in der Stadt. Im Stadtpark von Nordhausen gab es größere Schäden und die dort lebenden Hirsche starben. Der Sturm richtete auch noch starke Verwüstungen in der Nähe von Netzkater (nördlich von Nordhausen) an. Bäume wurden entwurzelt, Dächer abgedeckt und es gab erhebliche Schäden aller Art. Nach einem Bericht einer Zeitzeugin sollen auch Autos durch die Luft gewirbelt worden sein, weil der Vater einer Freundin suf der Suche nach seinem Auto war. (Quelle des Berichts: eine Augenzeugin) - Weiter aus einer Meldung der Neuen Nordhäuser Zeitung vom 28.01.2013 "Ich erinnere an die relativ verheerende Windhose vom 30. Juni 1980: Damals lag das Gehege flach. Sie hatte Dutzende alter Rot-Buchen entwurzelt. Meine Oma sagte damals am Telefon: "Das Gehege steht nicht mehr". In den Folgejahren entwickelte sich unter dem Schirm der stehengebliebenen Buchen ein dichter Buchenjungwuchs. Junge Buchen gedeihen besser unter den von Altbäumen geschaffenen mikroklimatischen Bedingungen." - Dazu noch der Bericht eines Augenzeugen: "Ich wohnte damals in Nordhausen-Krimderode in der Rüdigsdorfer Straße. Das Unwetter tobte in der Nacht vom Samstag zum Sonntag, also vom 14. auf den 15.6.1980. Unsere Mutter holte uns nachts aus unseren Kinderzimmern im Obergeschoß des alten Fachwerkhauses, wir kauerten uns aus Angst dann alle in der Stube im Erdgeschoß zusammen.Der Sturm war so stark, daß die Bäume in der Umgebung teilweise waagerecht im Wind lagen und unsere große Linde im Garten hatte auch ziemliche Schräglage. Das konnte ich so genau sehen, weil für mehrere Minuten alles dauerhaft taghell war, so oft und lange zuckten die Blitze. Der Sturm war auch lauter als das Donnern. Es regnete stark und es gab Hagel. Einen Wolkenrüssel an sich konnte ich nicht sehen, da unser Grundstück im Tal lag und die Sicht aus dem "Schutzraum" nur bis zu den Baumwipfeln am Hügel gegenüber möglich war. Am nächsten Morgen haben wir mehrere Schubkarren voll Schlamm aus dem Hof gefahren. Der stammte von einer Plantage mit Obstbüschen einige hundert Meter entfernt, wo der Starkregen die Erde ausgewaschen und die gesamte Rüdigsdorfer Straße hinab gespült hatte. Die Beete in unserem Garten waren auch alle vom Hagel vernichtet, es gab keinerlei Obst-/Gemüseernte mehr. An dem Sonntag sind wir nachmittags mal nach Nordhausen gefahren. Im Gehege/Stadtpark standen nicht mehr viele Bäume. Selbst die dicksten hatte der Sturm umgelegt. Einige Tage später sind wir dann die B4 rauf in den Harz gefahren. Dort waren die einstmals bewaldeten Hänge auf einer Breite von mehreren 100m kahl. Derart umgeknickte und verdrehte Bäume hatte ich als Kind noch nicht gesehen. Die Dampfloks der Harzquerbahn zerrten dort immer noch die Baumstämme weg, die im Gleis quer lagen. Die Leute erzählten damals auch von dem Campingplatz bei Eisenach, wo einige Menschen umgekommen sind. Das Unwetter kam ja aus dieser Richtung."

Der Wald stirbt nicht im Gehege (Neue Nordhäuser Zeitung, 28.01.2013)