Gaustadt (Bayern),
Bamberg (Bayern)

 05.08.1928 / Stärke (F2) Bestätigt
Aus einer Meldung des Bayreuther Tagblattes (heute: Nordbayerischer Kurier) vom 06.08.1928: "Die alte historische Stadt Bamberg und Umgebung wurde in der Nacht zum Sonntag von einem Unwetter heimgesucht, das in seiner Größe und Gewalt gewöhnlich nur in Amerika oder in tropischen Ländern vorzukommen pflegt. Mit ungeheurer Wucht setzte am Samstag nachts ein heftiger Sturm ein, begleitet von Hagelschauer, Blitz und Donner. Innerhalb kurzer Zeit hatte das entfesselte Element alle Bäume, die schönen Stadtanlagen von Bamberg, die berühmten Gärtnereien, die noch auf den Feldern stehende Ernte vollständig vernichtet. Der Schaden beläuft sich auf eine Million Mark. Das Stadion mit den Verkaufsbuden bietet ein Bild grauenhafter Verwüstung. Der in der Nähe von Bamberg gelegene Bruderwald ist wie durch heftiges Artilleriefeuer vollständig niedergelegt worden. Bäume von eineinhalb Meter Durchmesser wurden geknickt wie Streichhölzer. In der Stadt selbst ist fast kein Haus ohne Schaden geblieben. Die Straßen sind von herabgeschleuderten Ziegeln, Fensterscheiben, Mauerwerk vollständig übersät, sogar mehrere Fabrikschlöte wurden geknickt und umgeworfen, Dächer wurden abgedeckt und meterweit geschleudert. Die Zollscheune wurde vom Sturme vollständig zertrümmert. In der Schuhfabrik Ranz wurden Steinmauern auf eine Länge von 15 Meter umgeworfen. Der berühmte Naturgarten der Stadt, das beliebte und geheiligte "Bamberger Hain", ist völlig verwüstet. Die stärksten Eichenstämme sind auf hunderte Meter niedergelegt und bieten ein grauenhaftes Bild der Verwüstung. Reichswehr, Landespolizei, Feuerwehr und Sanitätskolonnen hatten die ganze Nacht hindurch zu tun, um die Verwüstungen beiseite zu schaffen. Alle Zufahrtsstraßen nach Bamberg sind durch umgestürzte Bäume gesperrt. Bamberg, 6. Aug. Hier wurden sechs Personen in das Krankenhaus eingeliefert, die durch das Unwetter Verletzungen erlitten hatten. Der Bamberger Oberbürgermeister, der sich zur Zeit in Urlaub befindet, wurde telegraphisch zurück gerufen. Der Löwensteg, eine Verbindungsbrücke aus Holz und Beton, über die Pegnitz wurde vom Sturm vollständig niedergerissen."

Tornado in Bamberg am 04.08.1928