Kirchgandern (Thüringen)

 12.05.2015 / Stärke (F2) Bestätigt
Zeitpunkt: gegen 16:25 Uhr MESZ. Ein mutmaßlicher Tornado richtete an Häusern und Bäumen einige Schäden an. Aus einer Meldung der Thüringer Allgemeinen vom 13.05.2015: "Tornado wütet in Kirchgandern und reißt kompletten Dachstuhl weg - Kirchgandern. Zwei Minuten habe es gedauert. Länger nicht. Helga Herwig schiebt sich die Brille zurecht. Sie kann das Geschehene vom Dienstag noch immer nicht in Worte fassen. Wie Wurfgeschosse beschädigten Trümmerteile von Herwigs Dach Häuser in der Nachbarschaft. ?Ich hatte gerade Kaffee gekocht?, erinnert sie sich. Ihr Mann Lothar war aus dem Garten gekommen. Dort hatte er nach den Hühnern gesehen. Das Ehepaar wollte sich eine gemeinsame Pause gönnen. Doch daraus wurde nichts. Der Kaffee stand noch am Abend in der Küche. Nicht ein Schluck fehlte.Windig war es. Und es regnete. Aber mit dem, was dann plötzlich geschah, hatte keiner in Kirchgandern gerechnet. Augenzeugen sagen: Es sei ein Tornado gewesen. Braungelbfarbene Luft ? in der Form eines Trichters. Der starke Wirbel kam von Besenhausen rüber, zog übers Dorf hinweg, am Gänsebach entlang zum Kahlen Berg. Er hinterließ eine Schneise im Ort, die an den Dächern zu erkennen ist, auf denen Ziegel fehlen. ?Es hat mächtig geknallt?, berichtet Helga Herwig. ?Und schon war unser Nebengebäude ohne Dach.? Es geschah genau um 16.25 Uhr. ?Ich habe sofort auf die Uhr geschaut.? Auch der Stationsweg zur Kapelle wurde durch das Unwetter in Mitleidenschaft gezogen. Der Tornado entwurzelte zwei Linden, zertrümmerte eine kleine Wanderhütte und zerstörte auch die dritte Station (im Bild) des Kreuzweges. Als seien die Holzbalken nur aus Pappe ? so leicht hob der Luftwirbel das Dach hoch, ?und weg war es?, staunt Lothar Herwig auch einen Tag später noch über diese Naturgewalten. ?Ein Glück, dass unser Wohnhaus vom Sturm weitestgehend verschont blieb.? Dort fehlen nur ein paar Ziegel, und die Dachrinne ist beschädigt. Es hätte schlimmer kommen können. Nach dem Tornado war die Straße ?Hinterm Dorf? ein Trümmerfeld. Die Balken von Herwigs Dachstuhl lagen überall herum. Einige waren zuvor wie Wurfgeschosse gegen benachbarte Gebäude geprallt. Auch am Haus Benedikt ? eine Tagespflege für Senioren ? sind die Schäden unübersehbar." - Der Fall wurde am 29.12.2015 bei einer Konferenz der Tornado-Arbeitsgruppe diskutiert und als Tornado bestätigt. Die Beobachtungen zusammen mit den massiven, linksseitigen Verfrachtungen und Einschlägen lässt keinen anderen Schluss zu. Der betroffene Bereich ist etwa 900m lang und 30 bis 40m breit. Die Stärke liegt im F2-Bereich, da es massive Einschläge ins Mauerwerk gab, die erst ab dieser Stärke möglich sind.

Verdachtsfall Kirchgandern (Thüringer Storm Chaser)
Tornado wütet in Kirchgandern (Thüringer Allgemeine, 13.05.15)
Schadensanalyse 16.5.15 von Oliver und Peter_HIG (Thüringer Allgemeine, 13.05.15)