Karlsminde (Schleswig-Holstein)

 05.07.2015 / Stärke (F1) Bestätigt
Zeitpunkt: gegen 22:15 Uhr MESZ. Aus einer Meldung des SHZ vom 07.07.2015: "Orkan: Camper bangten um ihr Leben - Auf dem Campingplatz Karlsminde wirbelte der Sturm Angelboote durch die Luft. Dieses hinterließ auf seinem Weg vom Strand eine Spur der Verwüstung und landete im Fenster eines Wohnwagens. Nur 15 Minuten dauerte am Sonntagabend das Unwetter, das eine Gewitterfront, die übers ganze Land zog, mit sich brachte. Aber das reichte, um auf den Campingplätzen in Karlsminde und Ludwigsburg in der Gemeinde Waabs eine Spur der Verwüstung zu hinterlassen. Besonders hart getroffen hat es den Ostsee-Campingplatz Gut Ludwigsburg. Dort wirbelte der Gewittersturm nicht nur alle 20 Zelte auf der Wiese durcheinander, sondern brachte selbst Wohnwagen zum Umkippen. Die Feuerwehr meldete zwei Leichtverletzte. Auf dem Campingplatz Karlsminde riss sich ein Angelboot am Strand von den Leinen los, flog durch die Luft und blieb in dem Fenster eines Wohnwagens stecken. Es war 22.15 Uhr, als Mona Engel (19) und Michael Fauser (20) gerade ins Bett gehen wollten, sicher und trocken in ihrem Wohnwagen. Es war der erste Abend der beiden Abiturienten auf dem Campingplatz Gut Ludwigsburg. Ihr Wohnwagen steht auf der Wiese neben dem kleinen See. Alles war ruhig, "bis es auf einmal zu regnen und zu stürmen anfing", erzählt die Itzehoerin. Was dann folgte, löste selbst bei der erfahrenen Camperin Ängste aus. "Es hat so heftig geknackt und geballert, der Wohnwagen schaukelte. Ich hatte minutenlang schon Angst, dass er umkippt", so die 19-Jährige. Der Lärm sei ohrenbetäubend gewesen. Kaum war das Unwetter vorüber, sahen sie sich draußen um. Es war ein Bild der Verwüstung, was sich ihnen und dem Platzwart, Karl-Heinz Andermann, bot: umgekippte Wohnwagen, deren Inhalte teilweise über die überflutete Wiese verstreut lagen, abgeknickte Äste und Zweige. Einige Camper packten ihre zerstörten Zelte zusammen und reisten noch in derselben Nacht ab. Gleiches galt für manche Wohnwagenbesitzer, die ihre zerstörten Vorzelte zusammenrafften und ebenfalls den Platz noch in der Nacht verließen. Das Ausmaß der Zerstörung war so groß, dass Andermann die Feuerwehr rief. "Seit 13 Jahren bin ich hier. So etwas habe ich noch nicht erlebt", sagt der Platzwart, der in der Saison selbst in einem Wohnwagen auf dem Platz wohnt. Eine Windhose oder eine Fallböe mit Orkanstärke sei für diese Zerstörung verantwortlich, mutmaßt Nis Juhl, Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr Waabs. Denn alle Schäden hätten sich in einer Schneise von 50 Meter Breite und 200 Meter länge befunden. Links und rechts davon sei weitestgehend alles in Ordnung geblieben. Auch spreche die Art der Zerstörung bei den Bäumen für diese Annahme. "Die Äste sind regelrecht verwirbelt. Das macht kein normaler Sturm", sagt der Wehrführer. Unterstützt durch die Feuerwehr Damp waren von 22.30 Uhr bis Mitternacht 35 Feuerwehrleute auf dem Platz im Einsatz, suchten nach Menschen in den umgestürzten Campingwagen, bargen zwei Leichtverletzte und verteilten Decken an diejenigen Urlauber, die in dem Moment nichts Trockenes mehr hatten. Fünf beschädigte Wohnwagen, ein zerstörtes Auto und drei beschädigte Angelboote ? das ist das Ergebnis der Gewitterfront auf dem Campingplatz Karlsminde. Der Sturm riss die Angelboote von ihren Sicherungsleinen und wirbelte sie durch die Luft. Eines legte eine rund 50 Meter lange Strecke hinter sich und sorgte für starke Schäden an Wohnwagen, die in der ersten Reihe direkt hinter dem Strand stehen. Zunächst flog es auf das Vordach eines Wohnwagens, wurde auf einen Geländewagen geweht, schrammte die Wand eines weiteren Wohnwagens, bevor es in es in einem Fenster eines dritten Wohnwagens steckenblieb. Dessen Besitzer, Dieter Koll, weilte zum Glück in seiner Wohnung in Hamburg, sodass niemand verletzt wurde. Er kam noch in der Nacht, um das Fenster morgens zu reparieren. Überhaupt hatte Platzwart Klaus Wilke, genau wie sein Kollege in Ludwigsburg, gestern alle Hände voll zu tun, um die Schäden aufzunehmen oder Anrufe besorgter Dauercamper zu beantworten." - Der Fall wurde am 29.12.2015 bei einer Konferenz der Tornado-Arbeitsgruppe diskutiert und als Tornado bestätigt. Die aus dem Wasser gehobenen, ursprünglich festgezurrten Boote wurden zum Teil über eine größere Strecke verfrachtet. Es muss also eine deutlich Aufwärtsbewegung erfolgt sein.

Orkan: Camper bangten um ihr Leben (SHZ, 07.07.15)