Stadtlengsfeld (Thüringen),
Dorndorf (Thüringen)

 07.07.2015 / Stärke (n. bek.) Verdacht
Zeitpunkt: gegen 20:20 Uhr MESZ. Aus einer Meldung der Südthüringer Zeitung vom 08.07.2015: "Tornado knickt Bäume wie Streichhölzer um - Ein kleiner Tornado hat in mehreren Wäldern im Großraum Stadtlengsfeld und nördlich von Dorndorf enorme Schäden angerichtet. Über 5000 Festmeter Holz kam zu Bruch.
Stadtlengsfeld - Der Weg, der den der Tornado am Sonntag nördlich vom Baier aus genommen hat, lässt sich an Hand der enormen Bruchschäden genau nachvollziehen. Auf der Westseite des Berges muss es zu extremen Temperaturunterschiedne gekommen sein, erklärt Forstamtsleiter Uth. Daraus hat sich während des schweren Gewitters ein Mini-Tornado entwickelt, der nach Norden ins Fischbachtal gezogen ist und sich geteilt hat. Rein ins Feldertal, westlich vorbei an Stadtlengsfeld prallte der Sturm bei Dorndorf auf den Mäuseberg. Der andere Teil zog an Stadtlengsfeld vorbei Richtung Leinbach und hinterließ eine Schneise der Verwüstung. Auf insgesamt über 5000 Festmeter Bruchholz schätz Jörn Uth den Schaden. Am stärksten betroffen ist das Revier Hohenwart, gefolgt vom Revier Vizeroda. Nördlich des Bornkopfes bei Hämbach hat der Sturm 700 bis 800 Festmeter umgehauen. Die ersten Schäden hinterließ der lokale Tornado im Fischbachtal in einem Aufforstungsgebiet aus den 1950er Jahren, dem so genannten "Schweineghetto". Jörn Uth kennt die Geschichte, die hinter dem Namen steckt. Die Forstbetriebe mussten zur damaligen Zeit zur Lebensmittelversorgung beitragen. Die Idee der Förster, im Fischbachtal einen Altbestand einzugattern und Schweine zu halten, wurde tatsächlich umgesetzt. "Bis zu 100 Schweine waren da drin."
Das Forstamt muss jetzt die Aufarbeitung der Schäden organisieren. "Das könne wir nur durch eine spezialisierte Firma machen lassen", sagt Jörn Uth. Ausschließlich Maschinen sollen in den Wald, für Holzarbeiter ist das Sicherheitsrisiko im Bruchfeld zu hoch. Die Hälfte der Schäden betrifft Privatwald und ein Kommunalwald, die andere den Staatswald. Man wird versuchen, so viel Holz wie möglich zu verwerten, um den finanziellen Schaden zu minimieren. Weil die Bäume aber abgebrochen sind und nicht umgeworfen, gibt es viel Splitterholz. Die Bäume standen bei der Trockenheit sehr fest, die große Kraft des Sturms brach sie in 6 bis 8 Metern. Keine Baumart blieb verschont. Ob Fichte, Kiefer, Lärche oder Laubbaum - innerhalb weniger Sekunden gingen die zu Bruch. "das Splitterholz nimmt uns natürlich kein Sägewerk ab, kann nur noch al Brenn- oder Industrieholz verwendet werden." Die Einbußen beim Holzverkauf schätzt Jörn Uth auf mindestens 50 000 Euro. Dazu kommen die Aufforstungsarbeiten in den Schneisen, die eigentlich erst in 40 oder 50 Jahren vorgesehen waren.
Mit dem letzten Sturm, den "Cynthia" 2010 bescherte, kann man den kleinen Tornado nicht vergleichen. Er richtete nur ein Drittel des Schadens von "Cynthia" an.
Alle betroffenen Waldgebiete sollten jetzt von Bürgern gemiedne werden. Sie abzusperren, ist nicht möglich. Deshalb appelliert Jörn Uth eindringlich: "Dort, wo Bäume liegen, sollte man auf keinen Fall abenteuerlustig werden."" - Dazu auch der Bericht eines Augenzeugen in Dorndorf: "Ein Gewitter zog aus westlicher Richtung heran, wie auch deutlich am Regen erkennbar war. Plötzlich verstärkten sich der Wind und Regen enorm, auch Hagel war dabei. Die drehende Windbewegung war deutlich zu beobachten, und nach 10 bis 15 Minuten war es wieder deutlich ruhiger. Überall heulten die Sirenen, die Feuerwehren waren im Dauereinsatz. Auffällig in Dorndorf war, dass die Schäden auf einer nicht einmal 100 Meter breiten Schneise zu beobachten waren. Eine rund zehn Meter hohe, gesunde Edeltanne wurde zum Beispiel entwurzelt, lag aber in Süd-Nord-Richtung, was ebenfalls die Drehbewegung des Windes belegte. Gewächshäuser und Gartengerätehäuser wurden komplett zerstört, viele Gebäudedächer beschädigt, zahlreiche Bäume abgeknickt oder entwurzelt, Blumentöpfe, Früchte und Blätter flogen umher, auch hier war eine kreisförmige Streuung zu beobachten. Der beobachtete Tornado war Teil eines Unwetters, welches über dem Wartburgkreis wütete. Insgesamt 54 Feuerwehreinsätze meldete die Leitstelle des Wartburgkreises, neben Dorndorf waren unter anderem auch betroffen: Vacha, Stadtlengsfeld, Dermbach, Kieselbach, Merkers, Tiefenort, Weilar, Leimbach, Bad Salzungen, Immelborn, Barchfeld, Wildprechtroda, Mihla (viele Einsätze), Unterrohn, Oberrohn und Pferdsdorf-Spichra."