Groß Schulzendorf (Brandenburg)

 28.08.2016 / Stärke (n. bek.) Verdacht
Zeitpunkt: gegen 20:25 Uhr MESZ. Aus einer Meldung der Märkischen Allgemeinen Zeitung vom 29.08.2016: "Windhose fegt durch Teltow-Fläming – Baum kracht auf Haus - Während des Sturms am Sonntagabend ist eine Windhose durch den Ludwigsfelder Ortsteil Groß Schulzendorf gefegt. Eine Linde fiel auf ein Wohnhaus. Sturmschäden gab es auch in Luckenwalde, mehrere Straßen waren gesperrt.
Luckenwalde/Groß Schulzendorf. Das Unwetter am Sonntagabend hat im Landkreis Teltow-Fläming zum Teil große Schäden verursacht. Durch den Ludwigsfelder Ortsteil Groß Schulzendorf raste gegen 20.30 Uhr eine Windhose. Sie kam von Westen über das Feld, fegte über die Straße Am Kietz, verwüstete die Dorfaue und zog weiter Richtung Werben. Die Straße nach Werben war bis Montag früh unpassierbar. Die Windhose riss mehrere Bäume um, eine große Linde fiel auf das Wohnhaus von Familie Donath und beschädigte das Dach. Er sei gerade dabei gewesen, die Rolläden herunterzulassen, damit keine Äste ins Haus gerieten, erzählte Manfred Donath. Währenddessen stürzte auf der anderen Seite die Linde auf das Zimmer des Sohnes, der allerdings nicht zuhause war. Gehört habe er das allerdings nicht, so laut sei der Sturm gewesen. Wie groß der Schaden an Dach und Haus ist, wird erst am Dienstag klar sein, wenn der Baum weggeräumt ist. In der Straße wurde außerdem die Telefonleitung heruntergerissen, etliche Telefonmasten sind angebrochen oder stehen schräg.
Im gesamten Kreis kam es zu rund 79 wetterbedingten Einsätzen, die meisten in Zossen und Luckenwalde. Die Feuerwehr der Kreisstadt Luckenwalde rückte in der Zeit von 20.15 Uhr bis 2 Uhr insgesamt 25 mal aus. Vor allem musste die Fahrbahn von Bäumen freigeräumt werden. Einsatzleiter Thomas Keller hatte mit seinen Männern alle Hände voll zu tun. Zwischen Luckenwalde und Ruhlsdorf ging nichts mehr. Gleich mehrere Bäume lagen auf der Fahrbahn. Motorsäge und Scheinwerfer waren die wichtigsten Hilfsmittel. Allerdings hindert das grelle Licht eine Taube daran, wegzufliegen. Sie war so geblendet, dass sie auch nicht wegflog, als die Feuerwehrmänner das Geäst um sie herum längst beseitigen hatte. Und so brachten sie das Tier anschließend in Sicherheit, indem sie es auf einen Baum setzten.
Auch zwischen Luckenwalde und Woltersdorf mussten Bäume von der Fahrbahn geräumt werden. Dort fuhren außerdem zwei Autos gegen eine umgekippte Kiefer, die auf der Fahrbahn lag. Ein Opel aus Potsdam wurde dabei so schwer beschädigt, dass er nicht mehr fahrbereit war. Die Polizei gab den Gesamtschaden dieser beiden Unfälle am Dienstag mit 13.000 Euro an.
In der Grabenstraße wurde das Dach eines Gebäudes beschädigt, sodass die Bewohner nicht in ihren Wohnungen bleiben konnten und von Nachbarn und Freunden aufgenommen werden mussten. Zudem hatte ein Baum die Oberleitung der Deutschen Bahn in Luckenwalde in Höhe der Schwindsuchtbrücke getroffen. Dadurch war die Strecke vorübergehend lahmgelegt. Ein Schienersatzverkehr musste eingerichtet werden.
Inzwischen ist der Schaden behoben. Zwei beschädigte Autos sowie ein Motorrad standen gestern Vormittag ebenfalls auf der Schadensliste der Kreisstadt. In der Gemeinde Nuthe-Urstromtal waren sieben Löschgruppen 14 Mal im Einsatz. Von der in Ruhlsdorf ansässigen Textil GmbH ist ein Teil des Daches abgedeckt worden, das 200 Meter auf dem nebenliegenden abgemähten Mausfeld gelandet ist. Das Dach und die Dachrinnen der Woltersdorfer Kirche wurden durch eine umgestürzte 80-jährige Linde beschädigt. In einem Waldstück zwischen Woltersdorf und Liebätz sind massenweise Bäume wie Streichhölzer abgeknickt. Weitere Schäden wurden gestern von Mitarbeitern des Ordnungsamtes der Gemeinde Nuthe-Urstromtal aufgenommen."

Dazu noch der Bericht von Thilo Kühne und Heiko Wichmann: "Im Falle von Groß Schulzendorf ist ein ursächliches Ereignis in Richtung Tornado nicht feststellbar, da der Schadensbereich keine tornadotypischen Schadensstrukturen aufwies. Hierbei liegt der Grund in der Art der beschädigten Vegetation. Insgesamt waren 4 Eichen im Dorfkern betroffen, die allesamt entwerder brachen oder entwurzelt wurden. Bei den gebrochenen Bäumen war Braunfäule feststellbar, sodass die Windkraft/der Staudruck nicht sonderlich hoch gewesen sein muss. Sämtliche Schäden an Gebäuden sind Folgeschäden/Sekundärschäden durch eben jene umgestürzten Bäume. Da im weiteren Verlauf im Ort keinerlei Schäden feststellbar waren, haben wir also nur einen punktuellen Schaden vorliegen. Zwar gibt es in einem Zeitungsbericht der Märkischen Allgemeinen Zeitung einen Bericht zu einer eventuellen Beobachtung, doch erwies sich diese Schilderung vor Ort als unzutreffend in Bezug auf Himmelsrichtungen und lage umliegender Orte, sowie im Zusammenhang mit der Unwettersituation und deren Zugrichtung. Das erscheint uns also wenig plausibel, sodass wir nur die Schäden vor Ort haben um eine Sturmart zu ermitteln. Hierbei haben wir uns verständigt, den Fall als einfachen Sturmschaden zu bewerten, möglichweise sogar im F0-Bereich und auch nicht zusammenhängend mit Fallwinden."

Windhose fegt durch Teltow-Fläming – Baum kracht auf Haus (MAZ, 29.08.16)
Radarbild zum betreffenden Zeitpunkt (kachelmannwetter.com)