Potsdam (Brandenburg),
Wannsee (Berlin)
[Region: Griebnitzsee]

 05.07.1892 / Stärke (n. bek.) Bestätigt
Aus einer Meldung des Teltower Kreisblattes vom 09. Juli 1892: "Das Schauspiel einer Windhose bot sich vorgestern Nachmittag gegen 3/4 3 Uhr in der Gegend zwischen Neubabelsberg und Wansee. Um genannte Zeit zog eine dichte Wolke über Neubabelsberg, welche die ganze Gegend in totale Finsternis hüllte. Nur hin und wieder zuckte ein greller Blitzstrahl auf. Wenige Minuten darauf konnte man beobachtetn, wie sich die Wolke förmlich in einen Klumpen zusammenballte und sich trichterförmig fast bis zum Erdboden herabsenkte. Gleich darauf brauste ein Wirbelwind, dessen Stärke von Sekunde zu Sekunde zunahm, über die Fluren dahin, legte die Saat nieder, knickte starke kräftige Tannen im Nu um, schälte von Bäumen die Rinden ab und schleuderte starke Aeste fußhoch in buntem Wirbel in die Luft. Die Wogen des Griebnitzsees und anderer Gewässer gingen mehrere Meter hoch und überflutheten auf große Strecken hin die Ufer. Die Windhose hielt etwas 60-90 Sekunden an und nahm dann ihren Weg nach Wannsee zu, wo sich der Wirbel in Hälften theilte und dann plötzlich verschwand." (Quelle: Staatsbibliothek zu Berlin) - Anmerkungen: Den Ort Neubabelsberg gibt es heute nicht mehr. Die Bezeichnung ist Babelsberg-Nord, ein Ortsteil von Potsdam. Der östliche Teil von Neubabelsberg heißt heute Griebnitzsee (auf Höhe des Bahnhofs), benannt nach dem naheliegenden Rinnensee Griebnitzsee, welcher auch die Grenze zu Berlin darstellt. Die Wegstrecke von hier bis nach Wannsee beläuft sich auf ca. 5 km von Südwest nach Nordost. Die Schadensbeschreibungen der abgeschälten Baumrinden ist sehr interessant. Gebäudeschäden hat es anscheinend nicht gegeben (damals war das Gelände dort noch nicht so verbaut).