15.09.1852Bestätigt

Ohrte (NI),
Schandorf (NI),
Herbergen (NI)

n. bek.

Aus einer Meldung des Cuxhavener Tageblattes vom 06.10.1852: "(Eine Windhose in den Kirchspielen Bippen und Menslage.) Am Mittwoch, den 15. September, Nachmittags zwischen 4 und 5 Uhr, bemerkte ein von Lengerich an der Wallage (Anm.: heute Langerich/Emsland) nach Freren fahrender Reisender rechts von sich am Himmel eine dunkle Gewitterwolke, aus welcher, während sie von Westen nach Osten zog, eine trichterförmige wirbelnde Dunstmasse berabhing, deren Spitze sich hebend und senkend mitunter die Erde die Erde zu berühren schien, zuletzt aber wieder in der schwarzen Wolke verschwand. Diese Wirbelwolke hat in der Bauerschaft Ohrte, Kirchspiele Bippen, und in den Bauerschaften Schandorf und Herbergen, Kirchspiele Menslage, große Verwüstungen angerichtet. Etwa um 4 1/2 Uhr Nachmittags wurde es plötzlich zu Ohrte dunkler von der herüberziehenden Wolke, man vernahm ein starkes Brausen, dazwischen das Krachen der vom Wirbelwinde zerbrochenen Bäume und Balken. Die Arbeiter auf der Ziegelei des Gutsbsitzers Schlump zu Lulle flohen in ein geschützteres Gemach der Ziegelei, von wo sie voll Schrecken dem Sturme zusahen. Ein Heuerling, welcher vor seiner Wohnung stand, als die Windhose heranzog, und sich gleichsam von den durch dieselbe ausgeübten Luftdrucke fortgeschoben fühlte, floh mit seinem neben ihm stehenden Kinde im Arme in die Wohnung. In Ohrte, wo die Wirbelwolke zuerst von Westen auf das Haus des Colonen (?) Vogtmann stieß, zerriß sie das Dach desselben, wandte sich dann nach Norden nach dem Hause des Colon Imke, wo sie dessen Wohnung gleichfalls abdeckte und einige Bäume umriß, andere, welche sie ganz erfaßte, aber nicht ausreißen konnte, alle Zweige entblößte. Von dort wandte sich die Windhose südöstlich zur Erbwohnung des Colon Föhren, deren Dach sie gleichfalls abdeckte und zerbrach, und ging dann in östlicher Richtung weiter zur Erbwohnung des Colon Welke. Hier riß sie ein großes Loch ins Dach, zerschmetterte einen auf dem Hofe stehenden Ackerwagen und tödtete einen ganzen Trupp Gänse, welche um den Wagen standen. Merkwürdig ist, daß an den Gänsen feine Verletzungen bemerkt worden und kann man daher annehmen, daß sie allein durch den Druck der Luft getödtet wurden. Vom Hofe des Colon Welke zog sich die Windhose nach Südosten fort. Zu Schandorf und Herbergen zeigte sich die Wirbelwolke etwa gegen 5 Uhr. Hier wurde von ihr der Kotten des Colonen Rannshorst, auf den sie zuerst stieß, ganz abgedeckt, die neunzölligen eichenen Windbänder desselben zerbrochen, ein 2 1/2jähriges Kind, welches auf der Diele des Kottens spielte, etwa 6 Fuß hoch vom Wirbelwinde gehoben und dann unbeschädigt wieder niedergesetzt, auch ein Eichbaum von der Dicke der Lende eines erwachsenen Mannes abgebrochen."