15.09.1950Bestätigt

Hannover (NI)

F3

Zeitpunkt: nachmittags. "Ein Wirbelsturm zieht von SW nach NO über Hannover. Dessen hüpfender Trombenrüssel hebt am Maschsee einen Menschen 1,50 m hoch, zerstört im NO der Eilenriede 17 ha Wald in 200 m breiter Bahn und richtet auch noch südostw. von Gr. Burgwedel Schäden an." (Quellen: (Quelle: Dr. F. Hamm: Naturkundliche Chronik Nordwestdeutschlands. Landbuch-Verlag, Hannover, 1976), und Forum der Wetterzentrale, weitere Quellen: D. Fuchs, Gefährdung des Tiefflugs durch Tornados, Traben-Trarbach in Promet, Heft 4/81, Seiten 8-10 und Dietwald Fuchs, Über das Auftreten von Tornados in der BRD in Abhängigheit von synoptischen und aerologischen Bedingungen. Monatsarbeit zum Ausbildungsabschnitt IV/2 der Wetterdienst-Referendarausbildung. Cochem-Brauheck. April 1978). Ausführlich beschrieben wird das Ereignis in der "Hannoverschen Presse" und in der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" ab dem 16. September 1950 sowie in "Die List" - 700 Jahre Umschau aus der Dorf- und Stadtgeschichte des Arbeitskreises Stadtteilgeschichte List von Ernst Bohlius und Wolfgang Leonhardt: "Die erste große Einbruchstelle liegt am Zoo, wo eine Reihe kräftiger Buchen umgeworfen wurde. Dann kommt in Richtung Podbielskistraße ein Stück unversehrten Waldes, bis einige hundert Meter vor der Walderseestraße das Trümmerfeld der Bäume beginnt. Hier sieht es aus, als wenn eine Riesenfaust sinnlos in den Wald geschlagen hätte. Mannsstarke Bäume, 20 bis 30 Meter hoch, und mitsamt ihrem Wurzelwerk aus dem Erdreich gerissen. Andere sind mitten im Stamm abgebrochen, und ihre weißen Stümpfe stehen wie bizarre Säulen inmitten des grünen Gewirrs. Der Schaden ist außerordentlich und läßt sich zur Zeit noch gar nicht abschätzen. Es handelt sich ausnahmslos um gesunde und kräftige Bäume. Wo die Natur nicht standhielt, hielten es die Bauwerke noch viel weniger. Von der Walderseestraße ab über die Podbi hinweg bis zum Kanal hat der Orkan eine breite Trümmergasse gezogen. Es sieht aus wie nach einem Bombenangriff. Für die Kraft des Windes zeugt der fast 60 Meter hohe Schornstein der Grammophon-Gesellschaft, der zu zwei Drittel einfach abgedreht wurde und in den Fabrikhof stürzte. Wie durch ein Wunder richteten die Steinmassen verhältnismäßig nur geringen Schaden an. Vor allem war kein Menschenleben bei diesem Einsturz zu beklagen. Dann folgen über die Pidbi hinweg immer die gleichen Bilder. In der Liliencronstraße, Klopstockstraße, Hebbelstraße, Mörickestraße und Constantinstraße war das Pflaster von den heruntergerissenen Dachziegeln hoch bedeckt, die Fenster herausgeschlagen und zahlreiche Schornsteine abgebrochen. Eine große Baracke an der Klopstockstraße mit Werkstatträumen und Wohnungen bildete nur noch einen einzigen Trümmerhaufen. Schwere Maschinen waren aus ihren Sockeln gerissen. Die Trümmer begruben mehrere Menschen, die sich aber glücklicherweise ohne schwere Verletzungen wieder herausarbeiten konnten. Den Fahrzeugen, die auf den Straßen hielten, ging es ähnlich. Ganze Lastzüge kippte der Sturm um, und leichtere Wagen oder Schiebkarren wurden in Gegenden wiedergefunden, wo sie nie vorher gestanden hatten. [...] Wie gesagt, das Ganze dauerte nicht lange, und die Bahn des Sturms war auch verhältnismäßig schmal, sie betrug 300 bis 500 Meter. [...] Die Bahn des Unheils war in nördlicher Richtung bis zu den Holzwiesen hin zu verfolgen. Neben zahlreichen Gartenlauben, die abgedeckt und neben einer Gärtnerei, die durch Glasbruch schwer geschädigt wurde, fielen einige dauerbewohnte, halbmassive Gebäude fast völlig der Zerstörung anheim." Durch den Tornado stürzten u.a. ein Kohlenlastwagen und ein beladener Möbelwagen um, etwa 130 Häuser in List wurden zum Teil abgedeckt. Der Wirbel wütete am Nordufer des Maschsees, wo Bäume und Boote zerstört wurden.