FAQ

B1) Welche Voraussetzungen müssen gegeben sein, damit ein Tornado entsteht?

Die Entstehung eines Tornados ist recht komplex. Hauptvoraussetzungen sind hohe Luftfeuchtigkeit, ein Schauer oder Gewitter und in den meisten Fällen vertikale Windscherung - damit ist eine Zunahme und Drehung des Windes mit der Höhe gemeint. In den USA gelangt häufig feuchtwarme Luft vom Golf von Mexiko bis in den Mittleren Westen. Weht dann noch in höheren Luftschichten ein starker Südwest- bis Westwind, dann ist die richtige Mischung für schwere Unwetter gegeben. In der feuchtwarmen Luft können sich vermehrt Gewitter bilden, oft werden daraus auch so genannte Superzellen – langlebige und kräftige Gewitter, die um eine senkrechte Achse rotieren. Im Aufwindbereich eines solchen Gewitters kann sich der eng begrenzte Wirbel bilden, der manchmal die starken Zerstörungen anrichtet.

In Mitteleuropa verhindern Gebirge wie die Alpen meist, dass solch extrem feuchte und warme Luftmassen direkt nach Deutschland gelangen. Daher sind die Superzellen bei uns nicht so häufig wie in Teilen der USA. Sehr starke Tornados, die meist in Zusammenhang mit Superzellen auftreten, kommen dennoch häufiger vor als bisher gedacht und sorgen dann für zum Teil enorme Schäden. Zudem ist häufiger recht große Windscherung vorhanden und Tornados entstehen oft auch aus kräftigen Schauern oder "normalen" Gewittern. An Gewitterfronten entwickeln sich ebenfalls gelegentlich Tornados, manchmal sogar einige gleichzeitig in einem relativ kleinen Gebiet. Eine Besonderheit stellen Gewitterfronten im Bereich von Winterstürmen und Orkanen dar. Zum Beispiel wurden an der Kaltfront des Orkans "Kyrill" am 18. Januar 2007 mindestens vier Tornados registriert, von denen drei die Stärke F3 erreichten.

Anders als Tornados im Bereich von Superzellen gibt es häufig auch nichtsuperzellige Tornados, die an Schauern oder nichtsuperzelligen Gewittern entstehen. Sie bilden sich vor allem bei windschwachen Wetterlagen, ohne nennenswerte Windscherung in den untersten 2 bis 3 Kilometern. Tritt hier eine Konvergenz (= Zusammenströmen von Luft) auf, dann können sich meist schwächere Tornados bilden. Ein typisches Beispiel für solche nichtsuperzellige Tornados sind viele Wasserhosen, die im Spätsommer und im Herbst auf Nord- und Ostsee vorkommen. An Konvergenzlinien können sich dann konvektive Wolken mit mehreren Tornados wie an einer Perlenschnur aufreihen.